Anfrage:

Sehr geehrte Frau Perret

Wir sind Schüler des Collège St. Michael in Freiburg und haben vom 12.4. - 15.4.11 unsere jährliche Projektwoche. In der diesjährigen Projektwoche behandelt unsere Klasse das Oberthema "Krankheiten". Unsere Gruppe behandelt dazu folgende Leitfrage: "Verarbeitung der Krebsdiagnose und die dabei erhaltene Unterstützung".
Während unseren Recherchen sind wir auf Ihre Internetseite gestossen, welche uns sehr ansprach.
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Sie die Zeit finden würden, uns ein paar Fragen zu beantworten.


Antwort:

Liebe Projektwochen-Schülerinnen,

Herzlichen Dank für Eure Anfrage. Es ist nicht einfach, solch weitreichende Fragen in Kürze schriftlich zu beantworten! Und viel Zeit lasst Ihr mir ja auch nicht...
Ich will es also einmal versuchen:

Frage 1: Was waren Ihre Beweggründe zur Gestaltung Ihrer Internetseite?

Meine Beweggründe zur Gestaltung der Internetseite waren, dass kranke und/oder trauernde und/oder suchende Menschen mich finden können, resp. über die Internetseiten sehen können, was ich anzubieten habe.

Frage 2: Was verbinden Sie persönlich mit dem Thema Krebs

Ich verbinde mit dem Thema Krebs natürlich sehr viel und sehr Verschiedenes, da ich mich seit mehr als 20 Jahren fast ausschliesslich mit Menschen beschäftige, die mit der Krankheit Krebs konfrontiert sind.
Für mich ist Krebs eine Krankheit wie eine andere Krankheit auch. Den Unterschied zu andern Krankheiten sehe ich vor allem darin, dass es bei der Behandlung von Krebs sehr belastende Therapien gibt. Ein Patient hat einmal zu mir gesagt: "Dieser Krebs ist für mich eine Herausforderung" - und ich denke, das ist treffend ausgedrückt. Jeder Erkrankte muss lernen, mit diesem Krebs zu leben und entweder nach der Heilung mit der Unsicherheit weiterzuleben oder ev. daran zu sterben. Und das sind alles Herausforderungen!

Frage 3: Wie kann ein Verarbeitungsprozess ablaufen und welche Aspekte sind wichtig für eine erfolgreiche Verarbeitung?

Verarbeitungsprozesse verlaufen sehr unterschiedlich (ich denke, ihr kennt die Stufen von Elisabeth Kübler-Ross) und verlaufen nie linear! Daher sind auch die wichtigen Aspekte unterschiedlich. Was mir in jedem Fall wichtig erscheint, sind eine gute, immer wieder angepasste und offene Information und eine gute Begleitung von einem oder mehreren Menschen, die sich nicht selber vor der Krankheit fürchten und die darauf verzichten, irgendwelche Ratschläge zu geben!

Frage 4: Inwiefern denken Sie, spielt die Psyche des Patienten eine Rolle bei dem Verarbeitungsprozess?

Die Psyche spielt bei jeder körperlichen Krankheit eine wesentliche Rolle, also auch bei Krebs!! Und auch hier sind einfach Begleitpersonen wichtig, die das Auf und Ab bei dieser Krankheit mitaushalten können.

Frage 5: Welche Ratschläge geben Sie den Angehörigen?

Ich gebe prinzipiell keine Rat-Schläge, da diese sehr oft als "Schläge" empfunden werden! Ich gebe Angehörigen zu verstehen, dass ich weiss, dass sie im "gleichen Boot" wie ihr Kranker sitzen, dass sie genau so leiden und genau so der Fürsorge und Begleitung bedürfen! Und diese Fürsorge, Begleitung und Informationen versuche ich ihnen im Rahmen ihrer Bedürfnisse und meiner Möglichkeiten anzubieten oder zu vermitteln.

Frage 6: Woher nehmen Sie die Kraft für diese Arbeit?

Diese mir sehr oft gestellte Frage fällt mir schwer zu beantworten, da ich nicht finde, dass die Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden oder trauernden Menschen besonders viel "Kraft" benötigt. Vielleicht ist es eine Begabung, wie bei andern Menschen schreinern, singen oder kochen - ich weiss es nicht. Aber ich kann Euch sagen, ich bekomme viel mehr zurück, als ich gebe - wenn man das so sagen kann.